Beim Bürgergespräch „Auf ein Wort“ von Landrat Udo Witschas am Donnerstag, den 29.01.2026 in Steinigtwolmsdorf wurden Themen besprochen, die die Einwohnerinnen und Einwohner der Region bewegen. An der Veranstaltung in Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr nahmen 35 Gäste teil, um mit Landrat Udo Witschas, den Beigeordneten sowie den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden ins Gespräch zu kommen. Dauerbrenner des Abends war der Konflikt rund um den geplanten Edeka-Neubau im Oberland. Trotz unterschiedlicher Positionen verlief der Austausch friedlich, sachlich und konstruktiv.
Das waren die Themen
Edeka-Neubau, Denkmalschutz, B-Plan und Schlichtung im Oberland
Ein Bürger und Ortschaftsrat aus Schirgiswalde schilderte den Konflikt im Oberland rund um den geplanten Edeka-Neubau aus seiner Sicht. Er verstehe nicht, dass es keine Lösung gebe, wenn ein Unternehmen 7,5 Millionen Euro investieren wolle. Er fragte, wie der Prozess läuft, wenn sich Bürgermeister nicht einigen können – und was künftig anders gemacht werden muss.
Landrat Udo Witschas betonte die kommunale Selbstverwaltung: Er wolle Bürgermeistern nichts vorschreiben. Eingreifen könne er nur, wenn eine Kommune ihrer Gemeinde Schaden zufügt und damit Rechte und Pflichten berührt sind. Gegenseitige Klagen seien „kein gutes Bild“ und passten aus seiner Sicht nicht zum Anspruch und dem Image des Oberlands, als Region zusammenzuhalten. Als mildestes Mittel nannte er eine Schlichtung. Der Landkreis lasse prüfen, wie alle noch einmal an einen Tisch gebracht werden können. Als Schlichter sei sein Vorgänger Michael Harig vorgesehen.
Die Beigeordnete Dr. Romy Reinisch ergänzte, es gebe einen Bebauungsplan für das Objekt, dessen Rechtmäßigkeit durch die Stadt Wilthen zunächst erfolgreich beklagt wurde. Da es sich immer noch um ein laufendes Verfahren handele, müsse man gerichtliche Entscheidungen abwarten. Gleichzeitig halte man die Grundversorgung im Raum Schirgiswalde für beeinträchtigt. Aus Sicht des Landkreises sei es deshalb wichtig, dass die Beteiligten wieder aufeinander zugehen.
Ein Anwohner aus Neukirch verwies auf die vielen Denkmale im Landkreis, die erhalten werden sollten. Er habe mit seiner Familie die alte Hoffmann-Villa in Neukirch saniert. Er sei sehr gut vom Denkmalschutz betreut und beraten worden und habe sehr gern die beachtlichen Mehrkosten dafür getragen. Er äußerte Sorge, dass Denkmalschutzrecht in finanziell schwierigen Zeiten aufgeweicht werden könnte. Als Beispiel nannte den geplanten Neubau eines Edeka-Marktes in unmittelbarer Nähe zu seinem Kulturdenkmal. Er sehe hier auch gravierende Verfahrensfehler bei der erheblichen Investition und lass dies gerichtlich prüfen. Dr. Reinisch verwies auf die üblichen Verfahren und darauf, dass Denkmalschutzauflagen umfangreich sind. Der Landkreis begrüße es ausdrücklich, wenn Privatpersonen Kulturdenkmale erhalten und konstruktiv mit der Denkmalbehörde zusammenarbeiten.
Bürgermeister Zeiler dankte für das Engagement an der Villa. Es sei der richtige Weg, das Verfahren gerichtlich prüfen zu lassen und das gute Recht als Nachbar. Am Ende müsse das Verwaltungsgericht entscheiden. Der neue Markt werde das Kulturdenkmal nicht berühren – man müsse die Entscheidung abwarten. Landrat Witschas betonte: Unterschiedliche Interessen sind normal, entscheidend sei ein respektvoller Umgangston.
Ein Bürger aus Schirgiswalde machte sich große Sorgen um den Zusammenhalt der Orte im Oberland aufgrund des Einkaufsmarkt-Themas und kritisierte, dass bei den bisherigen Gesprächen oft entscheidende Beteiligte gefehlt hätten. Sohlands Bürgermeister Hagen Israel erklärte, Sohland sei an einer Schlichtung interessiert und halte eine zeitnahe Lösung für notwendig. Neukirchs Bürgermeister Jens Zeiler betonte, die Zu-Zimmerarbeit im Oberland habe grundsätzlich funktioniert – man müsse wieder zu einem gemeinsamen Nenner kommen.
Auch Steinigtwolmsdorfs Bürgermeisterin Katrin Gessel erklärte, dass sie den Zusammenhalt im Oberland als äußerst wichtig empfinde und hoffe, dass sich bald alle Beteiligten zusammenfinden und eine gemeinsame Lösung finden können.
Ein Anwohner aus Sohland thematisierte die generelle Einkaufssituation und warb dafür, die Region als Ganzes zu betrachten. Bürgermeisterin Gessel erklärte, in Steinigtwolmsdorf sei der Nah&Gut-Markt vor rund einem Jahr geschlossen habe und man nun eine Lösung mit anderen Anbietern suche. Der Gemeinderat habe sich entschieden, eine kleinere Edeka-Einheit anzusiedeln. Es gehe hier jedoch allein um die Grundversorgung – und darum, dass die Region zusammenhält.
Körsetherme: Konzeptanpassungen, Kosten und Thermencharakter
Die Körsetherme bewegte einen Anwohner aus Kirschau. Er fragte, warum bei der Körsetherme „zusammengestrichen“ werde und ob der Thermencharakter zugunsten eines Sportbads eingeschränkt werde, weil man Geld sparen müsse.
Landrat Witschas stellte klar: Es werde nichts gestrichen, sondern es werde mehr investiert als geplant. Der Erste Beigeordnete Jörg Szewczyk erklärte, dass nach der Fördermittelbeantragung in der weiteren Planung eine bedarfsgerechtere, wirtschaftlichere Variante entwickelt wurde. Ein Problem sei gewesen, dass im Kombibecken zu viele Nutzungen gleichzeitig stattfanden und das abschreckte. Künftig werde der Schwimmbereich klarer getrennt, unter anderem für das Schulschwimmen.
Der Thermencharakter solle erhalten bleiben. Lediglich der Strömungskanal werde gestrichen, da dieser zu hohe Betriebskosten verursache und am wenigsten genutzt werde. Auch bei der Sauna werde nicht gekürzt, sie werde nur anders angeordnet. Auch die Gastronomie werde neu organisiert.
Eine Detailvorstellung der Pläne wurde für Februar in den Gremien angekündigt. Dann wolle der Erste Beigeordnete die Pläne auch in den Gemeinderäten im Oberland vorstellen und Fragen der Bürger beantworten.
Kreisverkehr zwischen Bautzen und Neukirch
Extra aus Bautzen reiste ein Teilnehmer an, um sich über den geplanten Kreisverkehr der Staatstraße Richtung Gaußig zu informieren. Er fragte, warum eine geplante Behelfsstraße, die für den Bau des Kreisverkehrs nötig wird, später wieder zurückgebaut werden solle, obwohl parallel der Radweg geplant sei. Sein Vorschlag: Lösungen so denken, dass nicht doppelt gebaut wird.
Dr. Reinisch stellte klar: Zuständig sei der Freistaat. Die Behelfsstraße werde mit sehr einfachen Mitteln errichtet und sei daher für einen Radweg voraussichtlich ungeeignet. Sie werde jedoch beim Landesamt für Straßenbau und Verkehr nachfragen, ob eine Behelfsstraße gleich als Radweg geplant werden könne.
A4 und Bauforschungszentrum
Ein Anwohner aus Kirschau wollte wissen, ob es zum Ausbau der A4 Neuigkeiten gibt und wie es mit dem Bauforschungszentrum weitergehe.
Landrat Udo Witschas erklärte, dass es zur A4 aktuell keine neuen Neuigkeiten gebe. Ziel bleibe, belastbare Zahlen für den Bundesverkehrswegeplan zu nutzen und politisch weiter Druck zu machen. Eventuell ließen sich die neuen Bedarfszahlen für den Bahnverkehr zwischen Dresden und Görlitz auch als Argument für die Autobahn nutzen.
Zum Bauforschungszentrum sagte der Landrat, kurz vor Jahresende sei die Unterschrift in Berlin erfolgt. Bautzen werde Hauptstandort. 2026 stehe die Gründung als zentrale Aufgabe an, anschließend solle die angewandte Forschung gemeinsam mit der TU Dresden schrittweise starten.
Zuzug und Sichtbarkeit der Region
Der demografische Wandel in der Region beschäftigt einen Anwohner aus Sohland. Er fragte, wie man aktiver Menschen für die Region gewinnen könne. Landrat Udo Witschas verwies auf die Gründung des Tourismusverbandes Oberlausitz e.V., um die Region sichtbarer zu machen. Zudem rechne man unter anderem durch die Bundeswehransiedlung mit Zuzug. Dr. Romy Reinisch verwies ergänzend auf das Welcome Center, welches gezielt Fachkräfte aus dem Ausland und auch Rückkehrer beim Zuzug in den Landkreis Bautzen berät.
Batteriebahnen und Ostsachsentarif im neuen Verkehrsverbund
Den neuen Verkehrsverbund ZVVO sprach ein Teilnehmer aus Neukirch an. Er erwarte einen einheitlichen Tarif und frage, warum das nicht schneller gehe als geplant. Außerdem interessierten ihn die künftigen Investitionen in Fahrzeuge. Landrat Witschas sagte, er sei im neuen Verbund stellvertretender Vorsitzender. Als Zwischenlösung seien batterieelektrische Züge vorgesehen – aber nur als Übergang.
Durch den neuen größeren Verbund komme man günstiger an Fahrzeuge als früher. Zum Ostsachsentarif erklärte er: Es dauere, weil viele Gremien beteiligt werden müssen und die bisherigen Tarife sehr unterschiedlich waren. Er rechne grob mit etwa einem Jahr für die Aufnahme der Daten und deren Analyse und einem weiteren Jahr bis zur Umsetzung.
Jörg Szewczyk ergänzte: Der Vorgang sei komplex, aber es gebe Punkte mit spürbarem Mehrwert, die schneller kommen sollen – genannt wurden unter anderem Bildungsticket und das „Katzensprungticket“.
Nächstes Bürgergespräch in Döbra (Gemeinde Oßling)
Das nächste Bürgergespräch mit Landrat Udo Witschas findet am 26. Februar 2026, 17.30 bis 19.00 Uhr, in der Begegnungsstätte Döbra, Oßling, Kastanienweg 5, 01920 Döbra, statt.
Die Veranstaltung richtet sich an die Einwohnerinnen und Einwohner aus Elstra, Haselbachtal, Kamenz, Königsbrück, Laußnitz, Neukirch, Oßling und Schwepnitz. Eine Anmeldung ist nicht notwendig.