Bürgergespräch mit Landrat Udo Witschas am 11.06.2026 in Nebelschütz (Region Klosterwasser). Eine Zusammenfassung
Beim Bürgergespräch „Auf ein Wort“ von Landrat Udo Witschas am Donnerstag, dem 11.06.2026 in Nebelschütz wurden Themen besprochen, die die Einwohnerinnen und Einwohner der Region bewegen. An der Veranstaltung in der Gemeindeverwaltung Nebelschütz nahmen rund 15 Gäste teil, um mit Landrat Udo Witschas, den Beigeordneten und der Sozialdezernentin sowie den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden ins Gespräch zu kommen.
Der Landrat eröffnete das Bürgergespräch und versprach alle Fragen innerhalb der vereinbarten Zeit zu beantworten, damit alle noch rechtzeitig zum Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft zu Hause sind.
Das waren die Themen
Straßenbau und Gehwege
Mehrere Fragen drehten sich um konkrete Vorhaben im Straßen- und Gehwegbau. Der Landrat Udo Witschas verwies gleich zu Anfang auf ein anstehendes Straßenprojekt mit Realisierung in den Jahren 2026/2027 bis zum Zubringer S100 (über Miltitz), mit einem Volumen von rund 4 Mio. Euro.
Aus der Runde wurde ergänzt, dass Planungen für vereinzelte Straßenerneuerungen teils seit Jahren laufen und lange Zeit rechtliche Vorgaben nur „alles in einem Zug“ ermöglichten, die Straßenerneuerungen nun aber auch in Teilabschnitten möglich seien. Das mache einiges schneller umsetzbar und man lobte in diesem Zusammenhang außerdem die gute Unterstützung durch das Landratsamt. Die Beigeordnete Dr. Romy Reinisch gab an, den Dank für die Unterstützung an die zuständigen Kolleginnen und Kollegen in der Verwaltung weiterzugeben.
Ein Gemeinderat aus Nebelschütz sprach außerdem ein Problem mit einem Gehweg in seiner Gemeinde an: Eine Verbreiterung sei in diesem Fall nicht möglich und Gehwege grundsätzlich Aufgabe der Kommune, er bitte aber dennoch um Unterstützung. Als Hintergrund wurden u. a. Grundstücksfragen genannt, wo Einigungen fehlen oder es müsse teilweise so gebaut werden, dass spätere Anpassungen möglich bleiben. Beigeordnete Dr. Reinisch sagte zu, dies zu prüfen, um gemeinsam praktikable Lösungen zu finden.
Gewässerprojekt Jauer
Ein Bürger aus Nebelschütz informierte über ein Projekt zur Renaturierung der Jauer an, einem Nebenfluss der Schwarzen Elster. Er verwies auf Erfahrungen aus jahrelanger Arbeit und auf ein neu aufgesetztes Förderprogramm, das in Abstimmung mit dem sächsischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium erarbeitet worden sei. Er fragte, ob das Landratsamt dazu bereits im Austausch sei.
Die Beigeordnete Dr. Reinisch schlug vor, sich dazu gemeinsam mit der Unteren Wasserbehörde und dem Naturschutz zusammenzusetzen, um das Thema fachlich zu sortieren und mögliche Schritte zu klären.
Untergrundlabor des Deutschen Zentrums für Astrophysik und das „Einstein-Teleskop“
Ein Bürger hatte eine Frage zum Deutschen Zentrum für Astrophysik (DZA) und das Einstein-Teleskop. Er sagte, in der Region habe es Irritationen gegeben, weil Gemeinderäte und Kommunen sich nicht ausreichend informiert fühlten, zugleich sei das Projekt eine große Chance, brauche aber den Rückhalt vor Ort. Ein Bürgermeister habe sich wohl auch dagegen ausgesprochen.
Landrat Witschas ordnete ein: Ein Untergrundlabor oder gar Forschungseinrichtungen dieser Größenordnung seien für viele schwer vorstellbar, aber genau in diesen läge eine große Chance für die Region. Eine Entscheidung zum Einstein-Teleskop sei noch offen. Aber das Untergrundlabor sowie weitere Forschungsvorhaben in der Lausitz, darunter das Bauforschungszentrum und Ansätze, angewandte Forschung, Gründungen und beschleunigte Zulassungswege stärker zusammenzubringen, seien greifbar und extrem wertvoll für die Weiterentwicklung der Region.
Der Bürgermeister von Crostwitz, Marko Kliemann wies die Aussage des Bürgers zurück: Ihm sei keine grundsätzliche Ablehnung aus den Reihen der Bürgermeister der Region bekannt.
Bevölkerungsschutz und die Idee eines gemeinsamen Zentrums
Ein Vertreter aus Räckelwitz fragte, wie der Landkreis beim Zivil- und Katastrophenschutz aufgestellt sei, gerade im ländlichen Raum. Gebe es da Strukturen oder werde alles dem Zufall überlassen?
Landrat Witschas erläuterte die Einordnung in drei Ebenen: das Feuerwehrwesen sei Aufgabe der Gemeinde, der Katastrophenschutz Aufgabe des Landkreises und für den Zivilschutz ist der Bund zuständig. Er berichtete von Überlegungen, gemeinsam mit den Gemeinden alle Dinge in einem neuen Bevölkerungsschutzzentrum zu bündeln. Als Größenordnung nannte er rund 40 Millionen Euro, die dafür investiert werden müssten und machte deutlich: Das wäre ein großer Schritt, aber die Diskussion sei wichtig, weil Vorsorge und Selbstschutz wieder stärker ins Bewusstsein müssen.
Unsicherheit bei Feuerwehr-Fördermitteln
Ein Gemeinderat fragte nach Fördermitteln für die Feuerwehr, da die Kommunen finanziell stark unter Druck stehen.
Landrat Witschas erklärte, der Landkreis reiche hierbei nur Fördermittel weiter, die der Freistaat bereitstellt. Wie es 2027/2028 aussehe, könne man aktuell nicht verlässlich sagen. Die Beigeordnete Dr. Reinisch verwies darauf, dass die ersten Fördermittel-Bescheide bereits verschickt wurden.
Sorgen bei Bundeswehr-Ansiedlung
Ein Bürger äußerte seine Sorge über die Bundeswehransiedlung bei Bernsdorf und verwies auf Ängste in Teilen der Bevölkerung.
Landrat Witschas begründete die Entscheidung mit der sicherheitspolitischen Lage, dem Ziel der Verteidigungsfähigkeit und den regionalen Effekten: 900 geplante Dienstposten in der Kaserne, welche zugleich 700 Millionen Euro an Investitionen und eine erhöhte Nachfrage nach Dienstleistungen in der Region mit sich bringen. Er widersprach der Vorstellung, dass ein Standort automatisch „Zielscheibe“ sei, und betonte wirtschaftliche Chancen für Betriebe in der Region. Dies würden von Aufträgen beim Bau des Standorts profitieren und es würden etwa 2000 zusätzliche Jobs im Dienstleistungssektor entstehen oder gesichert werden.
Strukturwandel
Ein Bürger fragte außerdem, wie man bestehende Unterschiede zwischen Ost und West weiter abbauen könne und welche Möglichkeiten es dafür gäbe.
Landrat Witschas erklärte, dass Strukturwandelmittel nie direkt an Unternehmen gehen dürfen, sondern grundsätzlich Rahmenbedingungen verbessern sollen. Seine Kernaussage: Vor wenigen Jahren seien Menschen in die Regionen gezogen, wo es Arbeit gab. Nun gebe es überall ausreichend Arbeit, entscheidend sei jetzt, wo Menschen gern leben möchten. Deshalb seien Infrastruktur, Bildung, Freizeit- und Tourismusangebote wichtig, um Bleibe- und Rückkehrperspektiven in der Region zu stärken.
Straßen und Ortsdurchfahrten
Ein Bürger aus Höflein bei Räckelwitz sprach die Straße in Richtung Crostwitz und eine seit langem diskutierte Ortsdurchfahrt durch Höflein an. Es gebe enge Kurven, schlechte Zustände und die Aussage, bis 2029 seien keine Mittel und keine Planungen zur Verbesserung in Sicht.
Landrat Witschas ordnete ein, dass im Landkreis historisch bedingt in den Altlandkreisen Bautzen und Kamenz unterschiedliche Schwerpunkte bei der Investition von Geldern gesetzt wurden und nicht alles kurzfristig nach- und aufholbar sei. Der Bürgermeister von Panschwitz-Kuckau, Markus Kreuz, ergänzte Probleme rund um eine halbseitig gesperrte Brücke über das Klosterwasser sowie bei Ortsdurchfahrten und damit verbundene starke Lärmbelastung für die Anwohner, insbesondere durch LKW. Die Beigeordnete Dr. Reinisch machte deutlich, dass Baukosten stetig stark steigen und eine Planung daher nicht zu lange dauern darf, um Kostensteigerungen zu vermeiden. Bei 57 Kommunen müsse zudem immer priorisiert werden. Zugesagt wurde eine schriftliche Rückmeldung, wie die Investitionsplanung des Landkreises in den kommenden Jahren aussieht.
Einige Anwohner äußerten sogar, dass sie sofort bereit wären, für eine Straßenverbreiterung Flächen abzugeben, aber man müsse zeitnah handeln, weil spätere Eigentümerwechsel Einigungen erschweren könnten.
Flächenproblem bedroht Jugendarbeit des MC Jauer
Ein Vertreter des Motocrossvereins Jauer führte ein akutes Grundstücksproblem an. Der Verein betreue viele Kinder und Jugendliche, nutze dafür Flächen, die aufgrund unterschiedlicher Eigentümerverhältnisse nicht mehr oder eingeschränkt nutzbar seien. Eine Lösung über Kauf oder Tausch sei schwierig; für einen Tausch mit dem Freistaat Sachsen werde eine geeignete Fläche in der Größenordnung von 3 ha gesucht.
Landrat Witschas erklärte, der Landkreis habe kaum eigene Ländereien, da viele Flächen gebunden seien (z. B. Straßen). Bürgermeister Kreuz bot an, dass der Verein ins Rathaus kommen solle, um mögliche Grundstücke zu prüfen. Beigeordnete Dr. Reinisch und Landrat Witschas sagten zu, hier gemeinsam nach einer Lösung zu suchen.
Fazit und Ausblick
Das Bürgergespräch war geprägt von sehr konkreten Anliegen: von Straßen und Lärmbelastung über Feuerwehr und Bevölkerungsschutz bis hin zu großen Zukunftsprojekten in Forschung und Strukturwandel. Schlussendlich konnte der Landrat sein Wort halten und alle Fragen wurden in der angekündigten Zeit beantwortet. Somit konnte jeder noch rechtzeitig zum Anpfiff der Fußball-Weltmeisterschaft zu Hause sein.