Bautzen, DER LANDKREIS

Landrat dankt für Bürgergespräch in Hauswalde

Landrat Witschas
Landrat Witschas
29.05.2026

.

Bürgergespräch mit Landrat Udo Witschas am 28.05.2026 in Hauswalde (Region Rödertal und Pulsnitz). Eine Zusammenfassung

Beim Bürgergespräch „Auf ein Wort“ von Landrat Udo Witschas am 28. Mai 2026 im Großröhrsdorfer Ortsteil Hauswalde wurden Themen besprochen, die die Einwohnerinnen und Einwohner der Region „Rödertal und Pulsnitz“ bewegen. Der Region sind Arnsdorf, Großnaundorf, Lichtenberg, Großröhrsdorf, Pulsnitz, Ohorn, Steina, Wachau, Ottendorf-Okrilla und Radeberg zugeordnet. An der Veranstaltung im Bürgerhaus „Alte Schule“ in Hauswalde nahmen rund 70 Gäste teil. Bis auf den letzten Platz war der Raum gefüllt und sogar davor ließen es sich noch weitere Interessierte nicht nehmen mit zuzuhören. 

Das waren die Themen

Geplante Starkstromleitung

Im Mittelpunkt des Gesprächsabends stand die geplante Errichtung einer Starkstromleitung durch den Netzbetreiber 50Hertz im Zusammenhang mit den geplanten Neuansiedlungen großer Chiphersteller in Dresden und Umgebung.

Schon vor Beginn des Bürgergesprächs hatten sich rund 30 Mitglieder mehrerer Bürgerinitiativen vor dem Bürgerhaus „Alte Schule“ versammelt und mit Plakaten ihr Anliegen zum Ausdruck gebracht.

Die Firma 50Hertz habe für das anstehende Planfeststellungsverfahren zwei verschiedene Trassenführungen in der Planung vorgesehen. Eine davon soll durch das Naturschutzgebiet Massenei führen, eine andere Variante sieht eine Stromtrasse durch das Gewerbegebiet vor. Mehrere Bürgerinitiativen haben sich in dem Zuge mit der Stadt Großröhrsdorf zusammengeschlossen und eine alternative Linienführung vorgeschlagen, um den Abstand zur Wohnbebauung zu vergrößern. Diese Trasse sei aus Sicht der Initiativen genehmigungsfähig, die vorgeschlagenen Trassen von 50Hertz dagegen nicht. Allerdings werde man von 50Hertz nicht ernst genommen und fühle sich hintergangen. Man wisse nicht, was man noch machen könne, denn es geht den Mitgliedern der Initiative nicht darum, die Leitung zu verhindern, sondern eine für alle vertragliche Alternative aufzuzeigen.

Landrat Udo Witschas bedankte sich bei den Bürgerinnen und Bürgern für ihren großen Einsatz in der Angelegenheit. Das Thema sei ihm bekannt und er wolle seitens des Landratsamtes alles im Rahmen seiner Möglichkeiten tun, um hier den guten Vorschlag der Bürger zu unterstützen.

Bürgermeister Stefan Schneider erläuterte in dem Zuge nochmal die bisherigen Geschehnisse rund um die geplante Starkstromleitung, die für die Chipindustrie benötigt werde und daher unter hohem Zeitdruck vorangetrieben werde. Seit mittlerweile zwei  Jahren laufe das Vorverfahren. Anders als üblich habe die Landesdirektion als zuständige Behörde kein Raumordnungsverfahren durchführen lassen, in dem eine ganz neue Trassenführung möglich gewesen wäre. Der Verzicht sei damit begründet worden, weil 80 Prozent der neuen Trasse auf der Linie der bereits vorhandenen 110kV-Stromtrasse verlaufen sollen. Daher habe man sofort mit der Grundlagenermittlung für den zweiten Schritt in einem solchen Projekt – das Planfeststellungsverfahren – begonnen. In diesem werde die konkrete Linienführung geprüft und festgelegt. Bei der Planfeststellung werden alle Träger der öffentlichen Belange angehört. Wichtig seien hierbei neben dem Naturschutz auch die Belange der Menschen vor Ort.

Im bisherigen Verlauf haben die Bürgerinitiativen gemeinsam mit der Stadt Großröhrsdorf bei der Firma 50Hertz immer wieder versucht, ihre Anliegen vorzubringen. Mittlerweile hat sich die Stadt eine Fachanwältin zur Unterstützung geholt, um Gehör zu finden und die vorgeschlagene Alternativtrasse mit in die Prüfung aufzunehmen. Ende Juni 2026 solle das Planfeststellungsverfahren eröffnet werden.

Auch Wachaus Bürgermeister Veit Künzelmann pflichtete dem Gesagten bei. In Feldschlösschen sei ebenfalls eine Betroffenheit bei dem Thema vorhanden. Bisher hat allerdings seitens der Firma 50Hertz keine Beteiligung Wachaus stattgefunden. Auch er wolle sich mit allen gemeinsam zusammentun, um hier eine vernünftige Lösung zu finden.

Landrat Udo Witschas bot nicht nur im Zuge der Verfahrensbeteiligung eine unterstützende Stellungnahme seitens des Landratsamtes an, sondern wolle gemeinsam mit den Bürgermeistern dazu einen Termin bei der Landesdirektion Sachsen wahrnehmen, um sich für die gut durchdachte Alternativtrasse stark zu machen. Es könne nicht sein, dass die 50Hertz hartleibig an den Plänen festhalte und die Vorschläge der Bürgerinnen und Bürger ignoriere. Keiner wolle die Trasse verhindern, stattdessen gebe es eine gut vorbereitete Alternative. Diese gilt es im Sinne aller Beteiligten zu prüfen, da sonst Klage durch die Bürgerinitiativen und beteiligten Kommunen drohen würden – mit den dann daraus folgenden zeitlichen Verzögerungen. 

In der Diskussion zu diesem Thema meldeten sich zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, die sich einerseits bei allen Unterstützern bedankten und gleichzeitig ihre Hilflosigkeit zum Ausdruck brachten. Auch Vorschläge wurden benannt, so unter anderem der eines Bürgers aus Pulsnitz, zu prüfen, welche Stellungnahme der Regionale Planungsverband zu der Stromtrasse abgegeben habe. Möglicherweise könne das helfen. Bürgermeisterin Barbara Lüke empfahl direkt an die Gesellschafter von 50Hertz heranzutreten.

Landrat Udo Witschas und Jan Jeschke, Amtsleiter im Umwelt- und Forstamt, der in Vertretung der Beigeordneten Dr. Romy Reinisch an dem Bürgergespräch teilnahm, werden sich der Sache annehmen und versprachen dies zu prüfen.

Ein Bürger aus Großröhrsdorf bat in dem Zusammenhang auch darum, die Interessen der Bürgerinnen und Bürger zu berücksichtigen, die schon an der 110-kV-Stromleitung wohnen. Bereits jetzt sei das Knistern der Stromleitungen deutlich hörbar. Das werde mit der geplanten stärkeren Leitung noch schlimmer. Er fragte nach Alternativ-Trassen nördlich der Autobahn und welche Abstände eigentlich zu Wohnhäusern eingehalten werden müssen.

Eine Bürgerin und Mitglied der Bürgerinitiative informierte, dass es in Sachsen leider keine Abstandsregeln für solche Leitungen gäbe.

Großröhrsdorfs Bürgermeister Stefan Schneider ergänzte, dass die Bundesimmissionsschutzverordnung Abstände von 70 Metern vorsehe, dass aber ein größerer Abstand wünschenswert wäre. Zudem wäre eine Alternative nördlich der Autobahn ebenfalls über Wohnbebauung in Ohorn verlaufen, so dass dieser Vorschlag nicht zum Tragen kam. Er will sich aber dem Anliegen der Anwohner ebenfalls annehmen und diese mit berücksichtigen.

Landrat Udo Witschas betonte, dass die Bedenken im Planfeststellungsverfahren geprüft werden müssen und verwies nochmals darauf, dass er sich gemeinsam mit den Bürgermeistern bei der Landesdirektion für einen Kompromiss stark machen wolle, um schneller zum Ziel zu finden als über einen möglichen Klageweg der Betroffenen.

Schülerbeförderung zur Oberschule Arnsdorf

Ein Bürger und Stadtrat aus Großröhrsdorf berichtete von einem Elternanliegen, was an ihn herangetragen wurde. Im Zuge des Neubaus der Oberschule Arnsdorf wurde den Eltern aus Großharthau und Seeligstadt zugesichert, dass ihre Kinder gut zur Schule kommen werden. Er habe gehört, dass aber die Schüler derzeit 3 Stunden auf dem Schulweg unterwegs seien. Er fragte deshalb nach, ob das so sei und ob hier keine Änderung herbeigeführt werden könne.

Landrat Udo Witschas betonte, dass er sehr froh über den Neubau der Oberschule Arnsdorf sei, denn schließlich sei ein solcher Neubau keineswegs selbstverständlich und er zeige, dass der Bedarf für die Schule vorhanden sei. Aber in dem Zusammenhang sei ihm auch eine gute Schülerbeförderung wichtig. Manchmal müssten dafür in der Schule auch Anfangszeiten angepasst werden, was in der Regel funktioniere. Um das geschilderte Problem zu lösen, werde sein Erster Beigeordneter Jörg Szewczyk gemeinsam mit den Elternvertretern bei einem Gespräch nach einer Lösung suchen.

Zu dem Thema gab es spontan noch eine lobende Wortmeldung eines Bürgers aus Frankenthal, der als positives Beispiel sechs gut organisierte Busverbindungen in seinem Bereich anführte und sich dafür bedankte.

Photovoltaikanlage Ohorn

Eine Bürgerin aus Ohorn fragte zu einer vom Landratsamt genehmigten Photovoltaikanlage an der Südstraße/ Röderstraße in der Nähe der Autobahn A4 nach. Warum sei diese Anlage genehmigt worden, wo sich doch in der Nähe Wohnhäuser befänden? Viele Anwohner würden geblendet und es gäbe massive räumliche Einschränkungen. Zwei Jahre hätte die dortige Bürgerinitiative versucht, den Bau der Anlage zu verhindern, aber das hätte nichts genützt.

Landrat Udo Witschas bat die Bürgerin darum, ihm noch einmal den genauen Standort zu übermitteln. Er wolle sich dazu im Landratsamt erkundigen und ihr dann eine schriftliche Antwort dazu geben.

Unternehmenserweiterung in Steina

Ein Unternehmer aus Steina bat um Unterstützung im Zusammenhang mit dem Neubau einer Halle für seine Firma. Die Bürger vor Ort hätten etwas gegen die Erweiterung, weil sie Lärm fürchten. Die Firma baue Stromaggregate für den Katastrophenschutz. Er wolle niemanden belästigen und sei auch bereit für regelmäßige Lärmmessungen. Er würde sich dazu gern mit dem Bauamt des Landkreises zusammensetzen, um eine Lösung zu finden.

Landrat Udo Witschas erläutert, dass es bei einer solchen Erweiterung verschiedene baurechtliche Dinge zu prüfen gibt, unter anderem um was für ein Gebiet es sich handelt und welche Lärm- und Immissionsgrenzen einzuhalten sind.

Bürgermeister Sandro Bürger betonte, dass er das Unternehmen unterstütze und es nicht verlieren wolle. Jan Jeschke als Vertreter der Beigeordneten nahm das Thema mit und wird sich um einen Gesprächstermin mit dem Unternehmer kümmern.

Unterstützung des Ehrenamts

Ein Bürger aus Bretnig fragte den Landrat wie das Ehrenamt - nicht nur im Zusammenhang mit der Feuerwehr, sondern allgemein - unterstützt werden könne und wie der Landkreis auf den Freistaat einwirken könne, um das Ehrenamt zu stärken.

Landrat Udo Witschas erläuterte, dass der Landkreis in Abstimmung mit den Städten und Gemeinden den Feuerwehren Fördermittel zur Verfügung stelle, die vom Freistaat zugewiesen werden. Darüber hinaus steht zur Unterstützung jährlich das Ehrenamtsbudget von 170.000 Euro zur Verfügung. Vereine oder engagierte Personen können bis zu 1.000 Euro Unterstützung erhalten. Für dieses Jahr sei das Budget zwar schon ausgeschöpft, aber es ist davon auszugehen, dass es auch im kommenden Jahr wieder ein solche Budget geben wird. Weiterhin gibt es für den Bereich Sport noch die Sportförderung über den Kreissportbund. Weitere Unterstützungsgelder könne er beim Freistaat zwar fordern, aber auch dort seien die Kassen leer.

Radwegebau

Ein Bürger aus Frankenthal erkundigte sich zum Radewegebau im Landkreis und fragte nach einem Überblick dazu.

Landrat Udo Witschas nahm das Anliegen mit und wird dem Bürger schriftlich antworten, da die Thematik an den Abend nicht umfassend besprochen werden könne. Er ging bei dem Thema aber noch einmal auf die verschiedenen Zuständigkeiten beim Bau ein und verwies darauf, dass der Landkreis bei den Straßen in seiner Zuständigkeit versuche im Zuge des Neubaus immer auch Radwege vorzusehen – sofern das möglich sei.

Eine Bürgerin erkundigte sich konkret nach dem Radweg Hauswalde-Rammenau.

Hier konnte Großröhrsdorfs Bürgermeister Stefan Schneider Auskunft geben. Die notwendigen Schritte wurden vollzogen. Es gab ein Flurbereinigungsverfahren und die Trassenplanung ist so gut wie fertig. Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr ist für den Bau zuständig und man sei dazu schon in Absprache, so dass in den kommenden zwei Jahren mit dem Bau zu rechnen sei.

Ärztemangel

Ein Bürger aus Großröhrsdorf erzählt von seinen Problemen, einen Facharzttermin beim Neurologen zu bekommen. Er leide unter Gleichgewichtsstörungen und könne aber erst im Oktober einen Termin bekommen, weil sein Neurologe verstorben sei.

Leider konnte der Landrat hier nicht helfen, versprach aber das Thema mit zu seinem Gespräch zu nehmen, welches er am Folgetag bei Sozialministerin Petra Köpping habe. Zuständig sei eigentlich die Kassenärztliche Vereinigung, aber er spricht das Thema bei Frau Köpping an und der Bürger bekommt eine Rückmeldung zu einer möglichen Unterstützung.

Fazit

Landrat Udo Witschas bedankte sich am Ende des Abends für die angenehme und konstruktive Gesprächsatmosphäre. Er würdigte nochmals den Einsatz der Initiativen und betonte, dass es wichtig sei, alle Interessen zu bündeln und gemeinsam einen Termin bei der Landesdirektion wahrzunehmen. Er dankte zudem den Bürgermeistern, die sich auch in den aktuell schwierigen Zeiten alle Mühe geben, für die und mit den Menschen aktiv zu sein.
 

Nächstes Bürgergespräch in Nebelschütz

Das nächste Bürgergespräch findet am Donnerstag, 11. Juni 2026, statt. Dann geht es in die Region Klosterwasser. Die Veranstaltung beginnt um 17:30 Uhr im Saal der Gemeindeverwaltung Nebelschütz (neben Sportplatz), Hauptstraße 9, 01920 Nebelschütz. Eine Anmeldung ist nicht notwendig.