Kita-Bedarfsplan: Kinderzahlen sinken – demografische Talsohle bei jungen Frauen erreicht
Die neue Kita-Bedarfsplanung des Landkreises Bautzen zeigt den deutlichen Rückgang der Kinderzahlen. Die langfristige Prognose lässt aber wieder steigende Geburtenzahlen erwarten.
Der Landkreis Bautzen stellt sich in den kommenden Jahren auf deutlich weniger Kinder in Krippen, Kindergärten und später auch in den Horten ein. Das zeigt die aktuelle Bedarfsplanung für Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege, die am Montag, 2. November 2026, im Jugendausschuss des Kreistages beschlossen wurde. Gleichzeitig gibt die langfristige demografische Entwicklung Anlass zu einer differenzierten Betrachtung: Die Zahl der Frauen im für Familiengründungen besonders relevanten Alter erreicht nach den Berechnungen derzeit ihre Talsohle. In den kommenden Jahren werden wieder stärker besetzte Jahrgänge in diese Altersgruppen hineinwachsen.
Die Auswirkungen des Geburtenrückgangs sind bereits deutlich sichtbar. Lebten 2022 noch 29.809 Kinder bis zum zehnten Lebensjahr im Landkreis Bautzen, sind es 2026 noch 25.649. Das entspricht einem Rückgang um rund 14 Prozent innerhalb von vier Jahren. Besonders stark zeigt sich die Entwicklung bei den jüngsten Kindern: Die Zahl der unter Dreijährigen sank im gleichen Zeitraum von 6.812 auf 4.705 – um rund 31 Prozent.
Auch die Geburtenzahlen gehen seit Jahren zurück. Wurden 2016 noch 2.608 Kinder eines Geburtsjahrgangs gezählt, waren es 2025 noch 1.456. Neben dem veränderten Geburtenverhalten spielt dabei vor allem die Altersstruktur der Bevölkerung eine entscheidende Rolle. Die Zahl der im Landkreis wohnenden Frauen zwischen 19 und 35 Jahren ist von 21.255 im Jahr 2016 auf 16.145 im Jahr 2025 zurückgegangen.
Die langfristige Betrachtung zeigt jedoch einen Wendepunkt: Die schwach besetzten Geburtsjahrgänge der Nachwendezeit haben inzwischen weitgehend das Alter der Familiengründung erreicht beziehungsweise durchlaufen. In den kommenden Jahren folgen wieder stärkere Jahrgänge. Nach den Modellrechnungen könnte deshalb nach einem weiteren Tiefpunkt Ende der 2020er Jahre auch die Zahl der Geburten wieder zunehmen.
Auch der Vergleich mit Sachsen zeigt, dass die sinkenden Geburtenzahlen nicht allein auf eine geringere Bereitschaft zur Familiengründung zurückzuführen sind. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes lag die durchschnittliche Kinderzahl je Frau im Landkreis Bautzen 2024 mit 1,50 deutlich über dem sächsischen Durchschnitt von 1,22 Kindern. Entscheidend ist vielmehr auch, wie viele Frauen überhaupt in den entsprechenden Altersgruppen leben.
„Wir müssen die derzeit sinkenden Kinderzahlen ernst nehmen und unsere Betreuungsstrukturen daran anpassen. Gleichzeitig dürfen wir nicht den Fehler machen, die heutige Entwicklung einfach für die nächsten 20 Jahre fortzuschreiben. Die demografischen Daten zeigen, dass wir bei der Zahl der jungen Frauen die Talsohle erreichen. Deshalb brauchen wir Lösungen, die wirtschaftlich tragfähig sind, aber auch langfristig genügend Flexibilität erhalten“, erklärt Sozialdezernentin Kristin Penther.
Weniger Kinder – Betreuungsangebot bleibt gesichert
Für das Betreuungsjahr 2026/2027 sind im Bedarfsplan insgesamt 251 Kindertageseinrichtungen mit 27.795 genehmigten Plätzen berücksichtigt. Hinzu kommen 39 Kindertagespflegepersonen mit 193 Plätzen.
Gegenüber dem vorherigen Betreuungsjahr ist die Zahl der betreuten Kinder in Kindertageseinrichtungen von 23.413 auf 22.455 gesunken. Besonders deutlich ist der Rückgang bei den Nichtschulkindern: Ihre Zahl verringerte sich innerhalb eines Jahres um 7,3 Prozent. Bei den Schulkindern bleibt sie dagegen mit rund 10.640 nahezu konstant.
Der Rechtsanspruch auf Betreuung kann im Landkreis Bautzen weiterhin erfüllt werden. Für 4.705 Kinder bis zum vollendeten dritten Lebensjahr stehen 5.183 Plätze zur Verfügung. Für die Altersgruppe vom dritten bis zum sechsten Lebensjahr bestehen 10.328 Plätze bei 9.362 wohnhaften Kindern. Im Hortbereich stehen für 11.582 Kinder insgesamt 12.477 Plätze zur Verfügung.
Die Herausforderung verschiebt sich damit zunehmend: Nicht die Schaffung zusätzlicher Kapazitäten, sondern die bedarfsgerechte Anpassung vorhandener Strukturen rückt in den Mittelpunkt.
Anpassungen mit Augenmaß
Sinkende Kinderzahlen bedeuten nicht automatisch, dass Einrichtungen kurzfristig geschlossen werden müssen. Der Landkreis betrachtet gemeinsam mit Städten, Gemeinden und Trägern jeden Standort individuell. Neben der Auslastung spielen dabei unter anderem der bauliche Zustand, die pädagogische Qualität, die Erreichbarkeit, Öffnungszeiten, der Sozialraum und die Kostenstruktur eine Rolle.
„Eine Kindertagesstätte ist gerade im ländlichen Raum mehr als eine Zahl in einer Statistik. Sie gehört zur Infrastruktur eines Ortes und ist für Familien ein wichtiger Standortfaktor. Deshalb braucht es bei notwendigen Anpassungen belastbare kommunale Konzepte und keine pauschalen Entscheidungen“, so Penther.