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Landrat - Krajny rada

Von Zeit zu Zeit - März 2019

Von Zeit zu Zeit wird immer wieder mal aufs Neue die sprichwörtliche „Sau durchs Dorf getrieben“.

Dabei handelt es sich nicht selten um wissenschaftlich verbrämte Erkenntnisse, die mehr verwirren, denn orientieren. Nachdem uns in der Vergangenheit das Ifo- Institut mit der „Weltsicht“ vermeintlicher Experten im Allgemeinen und deren Blick auf den deutschen Osten im Speziellen konfrontierte, gesellt sich nun das Leibnitz- Institut für Wissenschaftsforschung in Halle hinzu.

Die Botschaften ähneln sich: Der ländliche Raum ist verloren - die Zukunft liegt in den Städten. Gerade aus diesem Grund sollten sich Bundesstaat und Länder fördertechnisch auf die Städte konzentrieren und das Land aufgeben. Nur auf diese Weise sei eine Angleichung an westdeutsche Lebensverhältnisse erreichbar. So weit so gut - oder vielleicht auch nicht?

Natürlich liegen den getroffen Aussagen empirische Erhebungen zu Grunde. Die dabei festgestellten Unterschiede zwischen Ost und West oder zwischen Stadt und Land können mit Zahlen und Fakten unterlegt werden. Das Festgestellte jedoch zu bewerten ist sehr subjektiv. Es kommt auf die Position und Haltung an, welche Schlüsse man zieht.

Wenn dem nicht so wäre, könnten wir auf politische Diskussionen verzichten. Es bräuchte nicht entschieden, sondern nur noch berechnet zu werden. Irrtümer, Fehlentwicklungen wären ausgeschlossen, denn eins und eins ergibt nun einmal zwei. Wenn das so einfach wäre, würden vom neuen Berliner Flughafen längst Maschinen abheben.

Vielfach scheitern wir bereits an den Definitionen. Was sind westdeutsche Lebensverhältnisse? Nach meinen Erkenntnissen unterscheiden sich diese zwischen der Münchner Innenstadt und der Lüneburger Heide oder der Eifel mindestens ebenso wie zwischen Dresden und dem Lausitzer Seenland. Und wollen wir überhaupt einheitliche Verhältnisse?

An was machen wir solche Verhältnisse fest? Und was meinen wir mit ländlichem Raum? Ist das auf Sachsen bezogen der Rest - ausgenommen der sogenannten Oberzentren Dresden, Leipzig und Chemnitz?
Wie sind unsere Siedlungsstrukuren in Deutschland zu Stande gekommen und was bedeutet das für die Zukunft? Welche Bilder zeichnen wir von unserem Leben und welche Erwartungen lösen wir damit aus?

Ich verwies an gleicher Stelle bereits auf das Beispiel der Stadt Kamenz. Als Lessing 1729 geboren wurde, zählte die Stadt ca. 3.000 Einwohner.  

Wegen des Teilungsrechts - nur der Erstgeborene konnte den Hof erben - mussten alle gehen, die im Umfeld nicht verheiratet werden konnten oder in der Stadt Einkommen fanden. Das änderte sich erst mit dem technischen Fortschritt. Im Zuge der Erschließung der Fläche durch die Eisenbahn kamen Betriebe und damit Beschäftigungsmöglichkeiten auch in den ländlichen Raum. Die Menschen konnten bleiben.

In Verbindung auch mit dem medizinischen Fortschritt sank die Kindersterblichkeit und die Gemeinden wuchsen auf. Schulen mussten gebaut und eine öffentliche Infrastruktur geschaffen werden. Nun führen der technische Fortschritt und eine mit vergangenen Zeiten nicht zu vergleichende Mobilität zu neuen Entwicklungen. Arbeitsteilung und deren Organisation werden grenzenloser.

Neue Antworten müssen gefunden werden, welche ich mir übrigens als wirkliche Handlungsempfehlung von wissenschaftlichen Studien wünschen würde. 70 % der Menschen leben außerhalb der großen Städte. Auch die wirtschaftliche Wertschöpfung findet zu mehr als 60 % „auf dem Lande“ statt.

Nicht zuletzt aus diesen Gründen investieren wir in Schulen, Rettungswachen, Kultureinrichtungen und vor allem in die Breitbanderschließung. Wir lassen uns dabei von der Überzeugung leiten, dass es auch weiterhin Menschen geben wird, die gern und sehr bewusst außerhalb der Ballungszentren leben wollen.

Die gegenwärtigen Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt bilden dies auch ab. So brauchen wir die Städte mit ihren Funktionalitäten ebenso wie die Räume darum und dazwischen. Deutschland ist und bleibt ein Flächenland. Stadt und Land sind zwei Seiten einer selben Medaille.
Unser Landkreis - unser Land ist vielfältig und schön. Der bevorstehende Frühling wird das eindrucksvoll unterstreichen.

Freuen wir uns darauf.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen wunderbaren Frühlingsbeginn und bereits im Voraus Frohe Ostern!

Ihr

Michael Harig
Landrat

 

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