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Kreisarchiv - Wokrjesny archiw

17.06.2016

Im Kreisarchiv entdeckt

Das Foto zeigt éinen Auszug aus dem Protokollbuch des Radfahrer-Clubs „Vorwärts“ Schwepnitz. Foto: Kreisarchiv

Auszug aus dem Protokollbuch des Radfahrer-Clubs „Vorwärts“ Schwepnitz. Foto: Kreisarchiv

Radfahren vor 120 Jahren

 

Nun ist es endlich wieder soweit – strahlend blauer Himmel, Sonnenschein und angenehme Temperaturen verlocken uns dazu, auf dem Fahrrad vorbei an sattgrünen Wiesen und goldgelben Kornfeldern die Idylle der Natur zu genießen. In den Pausen verschafft uns das eine oder andere „Radler" Abkühlung, während sich der zu Hause vorbereitete Picknickkorb zusehends leert. Radfahren ist heute für jedermann leicht und angenehm umsetzbar, aber dies war längst nicht immer so.

In den 1880er Jahren begann mit dem Niederrad-Modell „Rover" aus England der Aufschwung des Fahrrades. Während zunächst nur wenige finanziell gut gestellte Bürger das Fahrrad nutzten, etablierte es sich bald als Fortbewegungsmittel in der breiten Bevölkerung. Doch wer denkt, dass sich vor 120 Jahren jeder auf sein Fahrrad schwingen und einfach losfahren konnte, der irrt.

Damals wie heute galten Regeln und Verbote. In den Anfangstagen musste zwingend ein Schild an der Lenkstange befestigt sein, „welches mit in der Nähe leicht lesbarer Schrift den Namen, Stand und Wohnort, sowie die Wohnung derjenigen Person, welche das Fahrrad benutzt, angibt." Dieses Namensschild ist heute nur noch schwer vorstellbar.

Ganz anders verhält es sich hingegen mit einem kleinen Accessoire, das sich Ende des 19. Jahrhunderts etablierte und für des Radfahrers Sicherheit sorgen sollte: eine „vom Fahrer leicht zu bedienende[…] helltönende[...] Warnungsglocke", heute gemeinhin als Klingel bezeichnet. 

Überhaupt scheint es, dass das Radfahren mit großer Vorsicht angegangen wurde: „[V]or stark abwärts führenden Strecken, deren Befahrung nicht mit völliger Sicherheit erfolgen kann, ist abzusteigen". Sollte auf diesen Strecken das Rad dennoch in Benutzung sein, so durfte „die Lenkstange nicht aus der Hand gelassen und auch nur mit mäßiger, ein schnelles und sicheres Halten zulassender Geschwindigkeit gefahren werden." Zudem war das „Entfernen der Füße von den Pedalen[…] bei einsitzigen Fahrrädern während des Fahrens in jedem Falle verboten".

Allen Gefahren zum Trotz wurde Radfahren nach kurzer Zeit derart populär, dass sich noch vor der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert erste Clubs und Verbände für Radfahrer gründeten. Wie uns das im Kreisarchiv aufbewahrte Protokollbuch des Radfahrer-Clubs „Vorwärts" Schwepnitz verrät, bestand ihr Zweck in erster Linie darin, „die Gesundheit sowie das Radfahren zu fördern, und zu heben, und bei gemeinsamen Ausfahrten die kollegiale Gemütlichkeit zu pflegen."

Die Mitgliedschaft im Club stand allen unbescholtenen Personen ab dem 18. Lebensjahr offen; über Mitgliedsanträge entschied der Vorstand. Bei erfolgter Aufnahme hatte das neue Clubmitglied 50 Pfennige Eintrittsgeld zu zahlen, danach monatlich 25 Pfennige. Der Club traf sich regelmäßig zu Versammlungen und führte Jahreswettbewerbe durch; der Fahrer mit den meisten gefahrenen Kilometern erhielt eine Geldprämie.

Außerdem wurde alljährlich ein Sommervergnügen veranstaltet, bei dem die aktiven Clubmitglieder einander im „Langsamfahren" zu übertreffen suchten. Als krönender Abschluss fand schließlich am Abend ein Ball statt.

Die kollegiale Gemütlichkeit und die Freude am entspannten „Radeln" haben die Zeit überdauert. Lassen auch Sie sich davon inspirieren, überprüfen Sie, ob die „Warnungsglocke" an Ihrem Fahrrad noch funktioniert und nutzen Sie die nächste Gelegenheit, um unseren Landkreis und seine weitläufigen Radwege zu erkunden.

 

Quelle: Kreisarchiv Bautzen, Bestand „Schwepnitz", Sign. 088/1.

  • Auszug aus dem Protokollbuch des Radfahrer-Clubs „Vorwärts“ Schwepnitz. Foto: Kreisarchiv
  • Siegel des Radfahrer-Clubs „Vorwärts“ Schwepnitz. Foto: Kreisarchiv