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Landrat - Krajny rada

Von Zeit zu Zeit - März 2018

Von Zeit zu Zeit sind Klassiker ein willkommener Gegenentwurf zur Oberflächlichkeit des Zeitgeistes.

Was wäre in diesem Sinne Ostern ohne Goethes Osterspaziergang?

"Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick.
Im Tale grünet Hoffnungsglück.
Der alte Winter in seiner Schwäche
Zog sich in raue Berge zurück.

Von dort her sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur.
Aber die Sonne duldet kein Weißes[...]“*

Endlich, werden nicht Wenige sagen! Der starke Frost bis in den März hinein hatte es in sich. Überall im Landkreis räkelt es sich in Gärten, Gärtnereien und Baumärkten im Angesicht steigender Temperaturen und längerer Tage. An Straßenbaustellen wird die Arbeit wieder aufgenommen. Mitunter lästig, aber wer schön sein will, muss leiden.

„[...] Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben,
Doch an Blumen fehlt’s im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür[...]“*

Freilich - Pflanzen müssen erst wachsen. Alles hat und braucht seine Zeit. Auch die Bepflanzung von Balkonkästen und öffentlichen Anlagen dauert noch. Ostern ist eben heuer recht früh.

„[...]Kehre dich um, von diesen Höhen
nach der Stadt zurückzusehen.
Aus dem hohlen, finsteren Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.

Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden:

Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,

Aus der Straße quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle an‘s Licht gebracht[...]“*

Geht es Ihnen nicht auch so? Mit dem Frühjahr werden nicht nur die Tage, sondern auch die Gedanken heller. Es regen sich Kräfte und Überlegungen, die schon verschüttet geglaubt waren. Osterbotschaft ganz individuell. Aber auch in Gemeinschaft.

Bautzen ist der sorbische Landkreis. Besonders zu Ostern wird der einzigartige kulturelle Reichtum, welcher mit unserer zweisprachigen Region untrennbar verbunden ist, deutlich. Reiterprozessionen tragen die frohe Botschaft von Ort zu Ort, von Mensch zu Mensch. Ein jeder sollte diese äußere Form der inneren Einkehr einmal auf sich wirken lassen. Auch das ist Heimat.

„[...] Sieh nur, sieh! wie behänd sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluß in Breit‘ und Länge
So manchen lustigen Nachen bewegt.

Und, bis zum Sinken überladen,
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an[...]“*

Unser Leben nimmt seinen Verlauf. Mit der wärmeren Jahreszeit und der optischen Fülle ergeben sich viele vermeintlich neue Wege. Menschen, durch ihr Lebensalter entsprechend erfahren, wissen um Ähnlichkeiten, Chancen und auch Risiken. Gut, dass immer wieder Ostern ist. Auch in Bezug auf das, was uns aktuell bewegt.

Nun haben wir endlich wieder eine Regierung. In der zurückliegenden Zeit war es nicht nur meteorologisch kalt und unwirtlich. Programme und Personaldebatten gingen wie Wetter über uns nieder. Abhängig vom Auge des Betrachters wurden damit Schauer, Unwetter oder aber Sonne - zumindest aber Schönwetterwolken verbunden.

Unabhängig davon, wo wir stehen, ist Vertrauen geboten. Vielleicht führten die wie auch immer motivierten Bedenken dazu, dass der „[…] Druck von Giebeln und Dächern“* oder „[…] der Straße quetschender Enge“* - um mit Goethe zu sprechen, uns den Blick verstellt haben.

Den Blick auf das, was war und ist, und auch darauf, dass es bei allen Problemen nicht wenig Grund zur Dankbarkeit und Zuversicht gibt: Dankbarkeit auch für die Umstände, unter denen wir in diesen Breiten leben dürfen. Das ist mit einem Blick in die Welt bei Weitem nichts Selbstverständliches.

Also geben wir dieser Regierung zunächst Zeit, um sich zu beweisen. Wir nehmen uns nur selbst Hoffnung und Zuversicht, wenn wir schon jetzt (negative) Ergebnisse - was sonst - von vornherein unterstellen.

„[...] Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein;
Hier bin ich Mensch, hier darf ich‘s sein!“*

Ihnen und uns allen Frohe Ostern!

Ihr

Michael Harig,
Landrat

 

* Quelle: Johann Wolfgang von Goethe, Osterspaziergang, Faust, Der Tragödie erster Teil, 1808

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