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Landrat - Krajny rada

Von Zeit zu Zeit - September 2018

Von Zeit zu Zeit sind es die alten Weisheiten, die uns neu überraschen.

Sie überraschen uns, weil sie ihre Aktualität scheinbar nie verlieren.

So haben wir unsere auswärtigen Gäste, welche wir zu unserem Festakt anlässlich 10 Jahre Landkreis begrüßen durften, unter anderem nach Pulsnitz geführt. Neben dem Pfefferkuchenmuseum wurde die Blaudruckwerkstatt Alfred Thieme besucht. Deren Inhaberin, Frau  Reppe, erläuterte Technik und Motive.

Eines dieser Motive ist ein Spruch, welcher die Erfahrungen der vor uns lebenden Generationen auf Wandläufer und andere Textilien bannt: "Armut schafft Demut, Demut schafft Fleiß, Fleiß schafft Reichtum, Reichtum schafft Übermut, Übermut schafft  Krieg. Krieg schafft Armut.“ 

Es scheint ein ständiger Kreislauf zu sein, welcher in den Unzulänglichkeiten von uns Menschen gründet. Verkürzt wird diese Seite unseres Seins mit der Redewendung "Wenn es dem Esel zu gut geht, dann geht er auf’s Eis tanzen“ auf den Punkt gebracht.

Was will er damit sagen, wird sich der eine oder andere nun fragen?

Ich mache mir Sorgen. Der Spruch auf besagtem Wandläufer ist Feststellung und Mahnung zugleich. Dabei bin ich wirklich zuversichtlich, was die weitere Entwicklung und die Zukunft generell betrifft. Gleichwohl war, ist und bleibt eine gute Entwicklung kein Selbstläufer.

Spätestens seit der Zuwanderung des Jahres 2015 erleben wir eine intensive gesellschaftliche Diskussion. Letztere ist nicht zu kritisieren, macht sie doch deutlich, dass Probleme vorhanden sind  und Orientierung vermisst wird. Orientierung nach Zielen und Sinn, nach Grundlagen, Pflichten und Rechten, nach Sicherheit und Gewissheiten unseres (Zusammen-)Lebens.

Wir leben in einer vielfältigen, komplexen Welt. Das Leben scheint immer schneller, bunter und schriller, härter zu werden. Einerseits verfügen wir über technische und sonstige Möglichkeiten wie keine Generation vor uns. Andererseits ist es gerade das, was Angst macht und uns Zweifel beschert: Können wir all dem noch gerecht werden, können wir mithalten?  Ist das alles im Alter noch leistbar - finanziell, organisatorisch, geistig?  Auf was und wen ist noch Verlass? 

Warum ist Recht haben und Recht bekommen nicht eine Seite derselben Medaille? Wo müssen auch in einer globalisierten Welt Grenzen gezogen werden? Welchen Stellenwert haben Anstand, Respekt, zumindest vor der Meinung des anderen, Nächstenliebe und insgesamt Stilfragen noch -  Stilfragen in einer anonymen, digitalen Scheinwelt, in welche so mancher sich zurückgezogen hat. Wie weit lassen wir eine Verrechtlichung unseres Alltags zu, ohne dass der gesunde Menschenverstand Schaden nimmt? 

„Ein jeder ist seines Glückes Schmied“ hieß es in Kindertagen. Dieser Ausspruch sollte uns verdeutlichen, dass es zu allererst auf uns selbst ankommt und uns sagen, dass wir gehalten sind, Verantwortung zu übernehmen, für uns und auch andere, so es Not tut und geboten ist.

Unabhängig davon sind wir aber auch in Um- und Zusammenhänge gestellt, welche nicht oder nur bedingt von uns selbst beeinflussbar sind. Dies zu diskutieren, zum Besseren hin zu verändern, ist nicht nur Bürgerrecht, sondern auch Pflicht. Auch vor diesem Hintergrund ist die oben erwähnte gesellschaftliche Diskussion gut und begrüßenswert.

Problematisch ist jedoch die Art und Weise. Und dies ist das, was nicht nur mich sorgt. In den Wendetagen 1989/1990 wurde neben dem „Wir sind das Volk“  oder „Keine Gewalt“ auch der Rosa- Luxemburg-Spruch „Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden“ bemüht.

Damit wurden die Möglichkeit und das Erfordernis eines offenen und auf Lösungen ausgerichteten Diskurses gemeint und keine anonymen Beschimpfungen, keine auf Wirkung ausgerichtete Falschnachrichten (Fake- News), keine Vermummung Extremer und auch keine oberlehrerhaften Belehrungen von unbeteiligten Beobachtern und moralisierenden Erklärern.

Bei allen Problemen, die uns ärgern und nerven, dürfen wir in Anspruch nehmen, dass wir in unseren Breiten in einer glücklichen Zeit leben.

Weder Krieg, noch existenzbedrohende Not gehören zu unseren Lebenserfahrungen, die Älteren unter uns ausgenommen. Vom Baltikum bis zur portugiesischen Atlantikküste, vom Balkan bis nach Skandinavien und weit darüber hinaus bewegen wir uns frei. Es ist nur ein Menschenleben her, dass man sich im beschriebenen Raum in Schützengräben gegenüberlag. Auch solches muss uns immer wieder bewusst werden, um zu verstehen, dass all dies nichts Selbstverständliches ist.

Wir leben in einer glücklichen Zeit. Unsere Eltern und Großeltern - Generationen ließen sich in ihrem Handeln davon leiten, dass es den Kindern besser gehen soll. Viele Ängste heutiger Tage speisen sich aus Zweifeln, dass das, was erreicht wurde, gehalten werden kann. Politisches Handeln wird auch deshalb zu Recht hinterfragt. „Der Ton macht die Musik“- auch dies ist seit Menschengedenken Allgemeingut. Sorgen wir für einen guten Ton in unserem Landkreis, unserem Land.  

Alte Weisheiten sind durch Erfahrungen zu solchen geworden. Es ist ein Privileg der Zukunft, mit Althergebrachtem zu brechen und manches als Weisheit Daherkommende im guten Sinne zu widerlegen. Gedanken, die durchaus mit dem Tag der Deutschen Einheit im Zusammenhang gesehen werden dürfen.

Kommen Sie gut durch den Oktober.

Ihr

Michael Harig
Landrat

Wappen des Landkreises Bautzen

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