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Landrat - Krajny rada

Von Zeit zu Zeit - Oktober 2017

Von Zeit zu Zeit müssen schwierige Entscheidungen getroffen werden.

Mir geht es hier nicht um den Rücktritt unseres Ministerpräsidenten, sondern um die beabsichtigte Schließung der Geburtshilfe-Station am Krankenhaus Bischofswerda.

Vorab will ich einräumen, dass ich die kritischen, teils emotionalen Reaktionen verstehe. Wenn jemand im positiven Sinne an ein Krankenhaus denkt, dann geht es in aller Regel um eben diesen Bereich. Die einen sind dort geboren, andere brachten ihre Kinder an diesem Ort zur Welt. Was sind also die Gründe einen solchen Schritt zu gehen?

Da ist zunächst die Fachkräftesituation. Trotz großer Bemühungen um die Anwerbung von Ärzten im In- und Ausland bestehen gerade hier Mangelsituationen, die in erster Linie ein fachliches Absichern der Dienste für Mutter und Kind immer schwieriger machen. Ähnliches gilt für Hebammen und Pflegepersonal.

Des Weiteren muss natürlich auch auf die betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge verwiesen werden. Wissenschaft und Medizintechnik schreiten voran. Wo vor Jahrzehnten noch große Eingriffe erforderlich waren, wird heute vielfach „minimalinvasiv“ operiert und geheilt. Die Folge ist eine Verkürzung der sogenannten „Verweildauern“ - von ehemals mehr als zehn auf jetzt unter sechs Tage.

Zusätzlich führt der medizinische Fortschritt zu einer zunehmenden „Ambulantisierung“ - also einer Behandlung ohne entsprechenden stationären Klinikaufenthalt. Im Ergebnis gehen die Erträge zurück, welche aber benötigt werden, um Löhne und Gehälter zu zahlen und durch Investitionen in die Medizintechnik, in Gebäude und Anlagen den berechtigten Interessen der Patienten zu entsprechen. Darum, und nur darum geht es.

Nun wird in ersten emotionalen Reaktionen gemutmaßt, dass es hier um Bautzen gegen Bischofswerda und im Übrigen um ein Ende des Standortes als solchen ginge. Ist dem so? Um diese Fragen zu beantworten genügt ein Blick in die jüngere Vergangenheit.

Beide Häuser in Bautzen und Bischofswerda sind ein gemeinsames Unternehmen. Wie in anderen Firmen auch gibt es an den verschiedenen Standorten Spezialisierungen. So werden verschiedene medizinische und sonstige Klinikdienstleistungen von Bischofswerda aus für das gesamte „Haus“ erbracht und umgekehrt. Es muss einer Geschäftsführung erlaubt sein, aus Qualitäts- und Wirtschaftlichkeitsgründen eine derartige Organisation vorzugeben.

Letzteres kann und sollte auch politisch nicht in Frage gestellt werden, es sei denn, dass die damit verbundenen Verluste abgaben- und steuerfinanziert werden. Selbst wenn öffentliche Haushalte dazu bereit sind, ist das Fachkräfteproblem noch lange nicht gelöst.

Was haben wir in Bischofswerda in und um den Klinikstandort unternommen? Lassen Sie mich nur das Wichtigste erwähnen:

Durch den Verbund mit Bautzen wurde der Status „Akademisches Lehrkrankenhaus“ für die Universitätsklinik Dresden erworben und gesichert. Es wurde veranlasst, dass das Nierenzentrum auf dem Gelände etabliert wird, damit eine wohnortnahe Versorgung und ein enges Zusammenwirken mit dem Klinikum im Sinne unserer Dialysepatienten gewährleistet wird.

Die Rettungswache am Krankenhaus wurde modernisiert und erweitert sowie die Oberlausitz Physio, eine Einrichtung für ambulante und stationäre Rehabilitationsleistungen, für 2 Millionen Euro errichtet.
Die Zentralküche für beide Häuser befindet sich in Bischofswerda - im Gegenzug wurde die zentrale Sterilisation in Bautzen eingerichtet.

Das ambulante Operationszentrum befindet sich in Bischofswerda und ist voll ausgelastet. Die Volkssolidarität betreibt in Bischofswerda eine Kurzzeitpflege und ergänzt das nachstationäre Angebot des Krankenhauses. Die zentrale Apotheke befindet sich ebenfalls in Bischofswerda und ab 2018 ist am Standort die Umsetzung eines Konzeptes für die stationäre Behandlung von Schmerzpatienten vorgesehen.

Das kreiseigene, gemeinsame Klinikum betreibt auch ein sogenanntes Medizinisches Versorgungszentrum. Dieses übernimmt niedergelassene Praxen, für welche keine Nachfolger gefunden wurden. Damit sollen Versorgungsengpässe verhindert werden. Allein in der Stadt Bischofswerda sind damit Praxen auf dem Gebiet Kinderheilkunde, Augen, eine Allgemeine Praxis in Bischofswerda Süd sowie Praxen für Hauterkrankungen und Orthopädie erhalten worden. In Verhandlung sind zudem weitere drei Facharztpraxen in den nächsten zwei Jahren.

Summiert man alle Bereiche in Bischofswerda so sind 1.250 Menschen, also mehr als die Hälfte aller Beschäftigten der gesamten Klinik-Gruppe, in den Beteiligungen beschäftigt, die in der Stadt angesiedelt sind. Sieht so die Aufgabe eines Standortes aus? Geburten sind planbare Ereignisse. Medizinische Notfälle brauchen kurze Wege. Zumutbarkeiten müssen miteinander und gegeneinander abgewogen werden.

Im Zusammenhang mit der vor kurzem durchgeführten Bundestagswahl werden Befürchtungen und Drohungen formuliert. Das würde die derzeitig verantwortlichen Parteien und Personen noch mehr Stimmen kosten Das mag sein.

Dennoch glaube ich, dass es hier nicht um Parteipolitik, sondern um reale Probleme geht. Um diese zu lösen muss man freilich - um es mit Luther zu sagen - „dem Volk aufs Maul schauen“(1). Wer aber daraus schlussfolgert, nur jedem nach dem Munde reden zu müssen, den werden bald die Realitäten einholen.

Die Entscheidungen zur Sicherung der medizinischen Versorgung in unserem Landkreis mögen nicht populär sein. Sie sind jedoch erforderlich, um eine Versorgungsqualität zu sichern, um die uns viele in dieser Welt beneiden.

Auf Luther geht übrigens auch Folgendes zurück: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders!“(2)…


Ihr


Michael Harig
Landrat


Quellen:
(1) Sendbrief vom Dolmetschen, 1530
(2) Auf dem Reichstag zu Worms, 1521

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