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Landrat - Krajny rada

Von Zeit zu Zeit - Juni 2017

Von Zeit zu Zeit wird längst Vergangenes in der Erinnerung wieder gegenwärtig

Ein solcher Moment war die Todesnachricht unseren Altkanzler Dr. Helmut Kohl betreffend.
Er wird dauerhaft als „Kanzler der Einheit“ in den Geschichtsbüchern festgehalten werden.

Dies vor allem deshalb, weil er die Regierungsgeschäfte der „alten“ Bundesrepublik damals verantwortete und ein Kunststück der Diplomatie vollbrachte. So war die Herauslösung der ehemaligen DDR aus den wirtschaftlichen und militärischen Bündnissen des  „Ostblocks“ die Grundvoraussetzung für ein Wiedererlangen der staatlichen Einheit.

Auf der anderen Seite mussten die Meinungsführer der Westmächte davon überzeugt werden, dass Deutschlands neue alte Größe nicht wieder zur Gefahr für Europa und die Welt wird. Die Einbeziehung des geeinten Deutschlands in die Architektur eines vereinten, versöhnten Europas war in dieser Hinsicht Voraussetzung und Konsequenz gleichermaßen.

Natürlich war dieser Prozess bis heute auch mit vielen Brüchen verbunden. So wird die Bewertung der politischen Leistung Kohls verschieden gesehen. Wer sich jedoch ernsthaft mit der damaligen Ausgangslage beschäftigt und diese mit dem heutigen Sein in Relation setzt, muss erkennen und zugestehen, dass wir in einer der glücklichsten Phasen deutscher Geschichte leben dürfen. Und solches fällt nicht vom Himmel.

Unser Landkreis ist ein Spiegelbild dessen. Das betrifft auch die erwähnten Brüche, aber noch viel mehr eine damals für nicht möglich gehaltene bauliche und infrastrukturelle Entwicklung. Vielfach bekommen wir von Besuchern erst den Spiegel vorgehalten. Lassen wir uns also durch eine von Alltagsproblemen getriebene Diskussion und „Problemdenke“ den berechtigten Stolz auf diese Gemeinschaftsleistung „Deutsche Einheit“ nicht nehmen.

Damit erfüllen wir das Vermächtnis derer, zu denen unzweifelhaft Helmut Kohl ebenso zählte wie untere anderem Willy Brandt, Helmut Schmidt, Hans-Dietrich Genscher, Michael Gorbatschow, Francois Mitterand wie auch viele Persönlichkeiten der damaligen Bürgerbewegung hier im Osten Deutschlands.


Vom 22. - 25. Juni fand zum 12. Mal das Internationale Folklorefestival Lausitz in Crostwitz, Bautzen und Drachhausen statt. Auf Einladung der Domowina und sorbischer Tanz- und Folkloregruppen nahmen 10 Ensembles aus aller Welt an diesem besonderen Treffen teil. Gruppen von allen Kontinenten boten den Besuchern ein buntes Programm. Bei deren Auswahl legen die Ausrichter besonderen Wert auf die Teilnahme von Vertretern aus Volksgruppen und Minderheiten.

Das Verbindende dabei ist der kulturelle Austausch und die Pflege von Sprache und Kultur. In dieser Hinsicht können wir von unseren sorbischen Mitbürgern und anderen autochthonen Minderheiten viel lernen. Die Sprache ist deren Zugang zur Kultur und Tradition, stiftet Identität und Verwurzelung in Familien und zur Region. Sie ist damit auch Quelle für Innovation im Sinne von Entwicklungen, die in einer sich verändernden Welt an Minderheiten weit größere Ansprüche stellen, als an Mehrheitsbevölkerungen.

Und wir Deutsche gehen damit - also mit der Sprache - sehr fahrlässig um. Dabei meine ich nicht die erforderliche Internationalität auch im Sprachgebrauch. Warum aber das Offensein von Geschäften mit „open“, den Kaffee zum Mitnehmen als „coffee to go“ oder eine Verkaufsaktion mit „sale“ angezeigt werden muss, erschließt sich mir neben vielem anderen nicht.

Selbst öffentlich-rechtliche Rundfunkstationen haben deutsches Liedgut weitgehend aus ihren Programmen verbannt. Im Land der Dichter und Denker ist nur das noch „in“, was angelsächsisch daher kommt. Manchmal werde ich an die Zeiten vor 1990 erinnert. Aus politischen Gründen wurde damals die Musikauswahl in Sendern und Diskotheken vorgegeben. 70 % Ost, 30 % West.

Nun möchte ich die Texte deutscher Unterhaltungsmusik natürlich nicht mit der Geistesleistung unserer Klassiker vermischen. Unabhängig davon werden auch mit leichter Muse positive Botschaften im meist zwischenmenschlichen Sinne vermittelt. Und Menschen brauchen solche, auch wenn oder weil es die heile Welt nicht gibt.

Warum sonst erfreuen sich Konzerte deutscher Schlagergrößen auf dem Kamenzer Hutberg oder den Dresdner Elbwiesen bei Alt und Jung solcher Beliebtheit? Die nicht zu leugnenden Probleme im Miteinander in unserer Gesellschaft haben im Sprachgebrauch, im mangelnden Kulturbewusstsein eine Ursache. Sprache und Kultur sind eben zwei Seiten einer selben Medaille. Sprache und Kultur bedingen einander. In unseren sorbischen Mitbürgern haben wir die Beweise vor Augen.


Endlich Ferien. Die erste Ferienwoche ist fast vorbei. Aber es kommen ja noch 5 weitere! Ich wünsche Schülern, Lehrern und Eltern erlebnisreiche und erholsame Ferientage.

Uns allen, unabhängig ob mit oder ohne Urlaub, angenehme Wochen im Juli 2017!

Ihr

Michael Harig
Landrat

10 Jahre Landkreis Bautzen

Die Abbildung zeigt das Logo zu 10 Jahre Landkreis Bautzen

Wappen des Landkreises Bautzen

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