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Die Sorben - Serbja

Über die Entstehung und Bedeutung sorbischer Personennamen

In früheren Zeiten besaß jeder Mensch nur einen Namen, den Rufnamen.

Verschiedene slawische Rufnamen (Vollnamen) sind in Dokumenten aus dem 9. Jahrhundert belegt. Sie bestehen meistens aus zwei Wortwurzeln, zum Beispiel aus einem Substantiv mit Adjektiv oder Verb: Bogdan: bog = Glück (oder Gott) und dan = geben.

Im 13./14. Jahrhundert begann in der Lausitz der Übergang von der Einnamigkeit zur Zweinamigkeit. Dabei übernahmen manchmal die alten slawischen Rufnamen die Rolle von Beinamen, später von Familiennamen. Diese wurden dann auch in historischen Abgabe- und Steuerlisten eingetragen, wie in das Zinsregister des Klosters St. Marienstern in Panschwitz-Kuckau.

Zusätzlich zu den alten slawischen Vornamen wurden im Zuge der Christianisierung Taufnamen (Adam, Jacob, Johannes, Petrus, Andreas, Elisabeth, …) als Vornamen eingeführt. Auch aus diesen entstanden später Familiennamen. Der christliche Taufname wurde mit einer slawischen Endung verknüpft. So entstand aus Benedictus  Benak, Benick, Behnisch, Benesch.

Auch von deutschen Vornamen wurden in der Lausitz slawische Familiennamen abgeleitet. Aus Heinrich entstand Heinak, Heinich, Heincka, Heinsch...

Endgültig durchgesetzt hat sich die Zweinamigkeit aber erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Der Nachname oder Familienname hatte nun mehrere wichtige Funktionen. Generell musste er:

  • amtlich verbindlich sein,
  • lebenslang bestehen und
  • vererbt werden.

Nach der Bedeutung unterscheidet man verschiedene Typen bei den sorbischen Familiennamen:

  1. Herkunftsnamen: Diese zeigten die Herkunft einer Person aus einem bestimmten Ort oder von einer bestimmten Familie. Dazu gehören unter anderem Familliennamen auf -ski, wie zum Beispiel Łušćanski (= Wuschansky): Person aus Łusk (Lauske, Gemeinde Weißenberg) oder Łušć (Lauske, Gemeinde Puschwitz), oder auch andere Stukturen wie Malink – aus Malinja (Greifenhain) stammend.
  2. Wohnstättenamen: Sie benannten eine Person nach der Lage ihres Wohnsitzes in der Landschaft, z. B. in einem Tal = Delan, Nadolny, bei Bäumen oder Sträuchern = Bresan (Birke), Buk (Buche), auf freiem Feld oder am Ackerland - Polan, Polak.
  3. Berufsnamen: Sie benannten den ersten Namensträger nach seiner Tätigkeit in der Landwirtschaft, im Handwerk, in Handel und Gewerbe, aber auch nach seiner Stellung in der Gesellschaft oder im Amt. So weisen Namen auf den Beruf des Schmieds (Kowar, Kowal) oder des Bauern (Bur, Rataj), den Gärtner (Kmetsch, Witschas, Lehnig, Kieschnik, Sarodnik). Weitere Beispiele sind: der Schenkwirt – Kretschmar, Schuster – Scheitz, Schneider – Krawc, Kürschner – Koschnick, …
  4. Übernamen: Hier wurde auf besondere Merkmale zurück gegriffen. Sie sagten etwas über die körperlichen, geistigen und charakterlichen Eigenschaften ihres Trägers aus, auch über Gewohnheiten. Beispiele dafür sind: Robel, Wrobl – Spatz, Sperling, Suchi – trocken, Lissack – kahlföpfig, Nossack, Nosek – Nase, Cernak, Tschernik – schwarz, Mudra, Mudry – klug, weise, Vesely – lustig, fröhlich, Starik, Stary – alt, Biskop, Biskup – Bischof, …

Für einen Neuansiedler im Dorf stehen Nowak, Nowusch, Nowka und aus verschiedenen Tier- und Pflanzenbezeichnungen sind die Familiennamen Bruck, Brunk – Käfer, Mucha – Fliege, Ziesch, Zieschank, Ziesche – Zeisig, Kocor –Kater oder Koreng – Wurzel, Gewürz hervorgegangen.

Neben den sorbischen einheimischen Namen findet man in der Lausitz weitere, zugewanderte slawische Familiennamen. Geschichtlich bedingt handelt es sich dabei mehrheitlich um polnische Familiennamen.

 

Das Sächsische Sorbengesetz

Das Sächsische Sorbengesetz regelt die Rechte des sorbischen Volkes und beschreibt, welche Gemeinden zum sorbischen Siedlingsgebiet gehören.